Baustellensicherheit: Arbeitsschutz auf Baustellen

Die 10 größten Risiken für die Sicherheit auf Baustellen plus Checklisten zur Kontrolle der Bausicherheit.

Sicherheits-Koordinator für Baustellen führt eine Kontrolle durch

Published 14 Jul 2022

Was ist Baustellensicherheit?

Die Bausicherheit umfasst die grundsätzlichen Regeln zum Arbeitsschutz auf Baustellen. Sie beschreibt die sichere Nutzung von Ausrüstung und Maschinen, den richtigen Schutz der Arbeiter vor potentiellen Gefahren, die ordnungsgemäße Durchführung von regelmäßigen Inspektionen sowie wann und wie Risikobewertungen vorzunehmen sind. Ein wichtiger Bestandteil der Sicherheit auf Baustellen ist zudem die Einhaltung der regionalen Gesetze und Baustellenverordnungen.

Die Bedeutung der Sicherheit auf Baustellen

Auch wenn der wichtigste Grund für die Verbesserung der Sicherheit am Bau die Einhaltung von Sicherheits- und Gesundheitsbestimmungen ist, gibt es noch viele andere Vorteile, die sich aus der Priorisierung des Themas ergeben. Z. B. die Verringerung der Anzahl von Sicherheitsrisiken und Zwischenfällen. Dies ist von entscheidender Bedeutung, da solche nicht nur den Ruf des Unternehmens bei Fachleuten und Aufsichtsbehörden beschädigen, sondern darüber hinaus auch enorme finanzielle Kosten verursachen können.

In den Vereinigten Staaten beträgt die Höchststrafe für fast alle Arten von OSHA-Verstößen 13.653 Dollar pro Regelbruch – immer solange es sich dabei um einen erstmaligen, einmaligen und einen lediglich fahrlässigen Vorfall handelt. Für einen vorsätzlichen oder wiederholten Verstoß liegt die Höchststrafe mit bis zu 136.532 Dollar bereits mehr als zehnmal so hoch. Zwischenfälle, die zu Verletzungen oder Erkrankungen führen, verursachen zusätzlich sowohl direkte als auch indirekte Kosten.

Nach Angaben der OSHA zahlen Arbeitgeber in den USA schätzungsweise fast 1 Milliarde Dollar pro Woche allein für die direkten Kosten von Arbeitsunfällen. Zu diesen gehören medizinische Versorgung genauso wie Entschädigungszahlungen. Indirekte Kosten hingegen umfassen die Ausbildung von Ersatz- und Aushilfskräften, die Reparatur von beschädigter Ausrüstung und Gerätschaften, Produktivitätsverluste sowie eine geringere Arbeitsmoral.

Ein weiterer Vorteil von sicheren Baustellen ist, dass dadurch das Vertrauen zwischen den Arbeitnehmern und dem Unternehmen gestärkt wird. Dies führt in weiterer Folge zu einem insgesamt besseren Arbeitsklima inklusive verbesserter Kommunikation und weniger Konflikten, sowie gesteigerter Produktivität und Effizienz. Arbeiter sind besser dazu in der Lage ihre Arbeit effektiv und sicher auszuführen, wenn sie angemessen geschult und geschützt werden.

Die 10 größten Sicherheitsrisiken im Baugewerbe

Obwohl das Baugewerbe bekanntermaßen eine der gefährlichsten Branchen ist und verschiedenste risikoreiche Tätigkeiten umfasst, ist es für Sicherheitsbeauftragte hilfreich zu wissen, worauf sie besonders achten müssen. Um dies zu erreichen, können sie beispielsweise ein digitales Tool wie eine mobile Inspektions-App mit Checklisten für jede potentielle Gefahrenquelle verwenden.

1. Arbeiten in der Höhe

Arbeiten in großer Höhe ist definiert als die Durchführung von Bauarbeiten in einer Höhe von 2 Metern oder mehr. Sie ist eine der Hauptursachen für (vermeidbare) Arbeitsunfälle weltweit – viele davon mit schwerwiegenden oder sogar tödlichen Folgen. Die folgenden vier Vorlagen für die Kontrolle der Bausicherheit können Sie kostenlos herunterladen und genauso frei verwenden, um die Risiken bei Arbeiten in der Höhe zu minimieren.

Vorlage: Sicherheitsinspektion bei Arbeiten in der Höhe

Sicherheitsbeauftragte im Baugewerbe können diese Vorlage verwenden, um die Sicherheit von Arbeitnehmern zu gewährleisten, die Bauarbeiten in großer Höhe durchführen. Folgen Sie dazu einfach den folgenden Schritten:

  1. Erfassung der Art der Arbeit und des vor Ort tätigen Teams.
  2. Identifizierung der Risiken im Zusammenhang mit den Arbeiten in der Höhe.
  3. Ermitteln Sie potenzielle Gefahrenquellen wie Stürze, Ausrutschen oder Stolpern.
  4. Kontrolle von durchgeführten Schulungen, Planung der Arbeiten und ordnungsgemäßer Verwendung von Absturzsicherungssystemen und Sicherheitsausrüstung,

Vorlage: Inspektion der Absturzsicherung für Arbeiten in der Höhe

Mit dieser Vorlage für die Inspektion von Absturzsicherungssystemen können die Arbeiter vor Arbeitsbeginn sicherstellen, dass ihre Ausrüstung für die Arbeit in der Höhe geeignet ist. Die folgenden Komponenten einer Absturzsicherung sollten jedes Mal vor Arbeitsbeginn überprüft werden:

  • Verbindungselemente,
  • Sicherungsadapter / Verankerungen,
  • Horizontale Rettungsleinen.

Vorlage: OSHA-Checkliste für Gerüstinspektionen

Aufgrund der starken Beanspruchung von Gerüsten müssen diese alle 7 Tage nach der Installation von einem dazu befugten Sicherheitsbeauftragten kontrolliert werden. Mit dieser Vorlage können Sie sicherstellen, dass Sie verlässlich alle OSHA-Anforderungen zur Gerüstsicherheit erfüllen.

Vorlage: Inspektion von Leitern

Die Benutzung von Leitern kann böse enden, falls diese nicht ordnungsgemäß geprüft und benutzt werden. Mit dieser Vorlage können Sicherheitsbeauftragte im Baugewerbe das Risiko der Benutzung von Leitern bewerten, um Unfälle zu minimieren. Dies wird durch zwei wichtige Schritte erreicht, die in der Vorlage enthalten sind:

  • Erstellen Sie ein Leiterprofil: Dieses setzt sich aus Typ, Konstruktion, Länge, Klasse, Gewicht und Fotos sowohl der Leiter als auch ihrem Etikett zusammen.
  • Feststellung von Mängeln an Komponenten: Dazu gehören die Füße der Leiter, Sprossenverschlüsse und Spreizstreben, Seitenholme, Bolzen und Nieten, Seile, Stufen und Sprossen.

2. Stürze, Ausrutschen und Stolpern

Unfälle durch Stürze, Ausrutschen und Stolpern stehen in engem Zusammenhang mit Arbeiten in der Höhe und noch häufiger mit dem falschen Umgang von Leitern. Damit gehört mangelnde Leitersicherheit nicht nur zu den 10 wichtigsten OSHA-Verstößen, sondern ist ebenso von entscheidender Wichtigkeit , um Zwischenfälle bei Arbeiten in der Höhe zu vermeiden. Die OSHA verlangt deshalb, dass Leitern in jeder Schicht vor der ersten Benutzung überprüft werden. Sicherheitsbeauftragte im Baugewerbe können diese Anforderung optimal erfüllen, indem sie eine mobile Inspektions-App verwenden, um proaktiv Probleme zu erkennen.

3. Bewegliche Ausrüstung

Gerüste und Leitern gelten zwar als besonders risikoreich, sind aber teilweise ortsfest, was zumindest das Risiko einer Gefährdung von Arbeitern, die sich nicht direkt auf diesen befinden, verringert. Im Gegensatz zu Gerüsten und Leitern stellen fahrbare Geräte oder auch Ausrüstung zum Heben und Senken von Lasten eine größere Gefahr für die Sicherheit dar. Im Jahr 2021 sorgte der Einsturz eines Krans in Turin für einen folgenschweren Unfall mit drei Toten. Um ähnliche Zwischenfälle in Zukunft zu vermeiden, sollten Sie dafür sorgen, dass Ihre Arbeiter jederzeit die notwendigen Sicherheitsverfahren einhalten, wenn sie bewegliche oder Hebegeräte bedienen.

Darüber hinaus müssen die speziellen regionalen Anforderungen erfüllt werden. So schreiben beispielsweise die Normen der OSHA, der ASME (American Society of Mechanical Engineers) und der CMAA (Construction Management Association of America) häufige, regelmäßige Kraninspektionen vor. Damit Sie diese Inspektionen möglichst effizient durchführen können, haben wir Ihnen im Folgenden mehrere digitale Checklisten zusammengestellt.

OSHA-Checkliste für Inspektionen von Kränen

Diese Vorlage kann für die Inspektion, Prüfung und Wartung nicht nur von Brücken- und Portalkränen verwendet werden. Mit ihr können Sicherheitsbeauftragte im Bauwesen darüber hinaus ebenso alle an diese angeschlossenen elektrischen Geräte und Hebezeuge überprüfen.

Checkliste für die tägliche Kraninspektion

Diese kann vor, während und nach den durchgeführten Arbeiten verwendet werden, um die folgenden Schritte und Kontrollen durchzuführen:

  1. Arbeitsgenehmigungen einholen und speichern,
  2. Bewertung der Kompetenz des Kranführers,
  3. Notfallmaßnahmen überprüfen,
  4. Angewandte Sicherheitsmaßnahmen verifizieren,
  5. Bewertung der richtigen Vorgehensweise entsprechend der Autragsdetails.

In der Zwischenzeit verlangt die HSE LOLER-Inspektionen, welche die Einhaltung der Vorschriften für Hebevorgänge und Hebezeuge aus dem Jahr 1998 bewerten. Unter diese Regelungen fallen Kräne, Hebezeuge, Flurförderfahrzeuge sowie Zubehör zum Befestigen von Lasten. Für die Durchführung der diesbezüglichen Inspektionen können Sie die folgende Checkliste verwenden.

Checkliste für LOLER-Inspektionen

Auf der Grundlage der HSE-Vorschriften kann diese digitale Checkliste verwendet werden, um die Festigkeit und Stabilität von Hebezeugen zu überprüfen und deren korrekte Positionierung und Installation zu bestätigen. Diesem PDF-Musterbericht können Sie weitere Informationen zu den einzelnen Punkten der Checkliste entnehmen.

4. Lärm

Der Umstand, dass Lärm ein Sicherheitsrisiko im Baugewerbe darstellt, mag überraschen, aber Statistiken im Vereinigten Königreich zeigen, dass schätzungsweise 17.000 Menschen jährlich aufgrund von übermäßigem Lärm bei der Arbeit Gehörschäden erleiden. Führen Sie deshalb regelmäßig  Lärmrisikobewertungen durch, um die Quellen von diesem zu ermitteln und einzudämmen.

5. Vibrationsbedingtes vasospastisches Syndrom

Das vibrationsbedingte vasospastische Syndrom (VVS) beschreibt bleibende Schäden, welche die Nerven und Blutgefäße der Hand beeinträchtigen. Bauarbeiter sind in erster Linie aufgrund dem wiederholten Gebrauch von vibrierenden Werkzeugen und Geräten wie Betonbrecher, Bohrhämmer und Schleifmaschinen von dieser Erkrankung betroffen. Im Vereinigten Königreich verpflichtet deshalb die Vibrationsverordnung von 2005 Unternehmen zur regelmäßigen Durchführung von VVS-Inspektionen. Im Jahr 2018 wurde ein Bauunternehmen auf Basis dieser Verordnung zu einer Geldstrafe von 500.000 £ (691.900 $) und zur Zahlung von Behandlungskosten in Höhe von 195.000 £ (269.841 $) verurteilt.

6. Manuelle Arbeiten

Unter manuellen Arbeiten versteht man das Heben, Absenken, Tragen und Bewegen von Gegenständen während der Arbeit. Abgesehen von Vibrationen in den Händen gehören zu den Risiken von körperlichen Tätigkeiten auch wiederholte, anhaltende, starke oder plötzliche Krafteinwirkung sowie wiederholte monotone Bewegungen, eine anhaltende oder ungünstige Körperhaltung und Ganzkörper-Vibrationen. Die Reduzierung dieser Risiken ist entscheidend für den Schutz der Arbeitnehmer vor Muskel-Skelett-Erkrankungen wie VVS, Epicondylitis (am Ellenbogen) und Verletzungen der Rotatorenmanschette (an der Schulter).

7. Aushubarbeiten

Ein Graben ist ein schmaler Aushub, der unter der Erdoberfläche angelegt wird. Nach Angaben der OSHA stellen einstürzende Gräben eines der größten Risiken auf Baustellen dar, da sie mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Tod von Arbeitern führen. Um dieses Risiko zu mindern, sollten Sie mindestens einmal täglich die korrekte Baugrubensicherung überprüfen, um sicherzustellen, dass die Arbeiter Gräben nur betreten, wenn angemessene Schutzmaßnahmen wie Schrägen, Bänke, Verbau und Abschirmungen vorhanden sind.

Risikobewertung von Aushubarbeiten

Diese Vorlage beruht auf der OSHA-Standortanalyse für Aushub- und Grabenarbeiten und kann zur Bewertung der Sicherheit eines Aushubbereichs verwendet werden. Sie überprüft dabei nicht nur die Schutzsysteme, Zugangsbereiche und Abraumablagerungen, sondern enthält ebenfalls Abschnitte für Oberflächenquerungen und Wassermanagement.

8. Elektrizität

Die Exposition gegenüber Elektrizität ist seit langem als Sicherheitsrisiko auf Baustellen bekannt, wobei Stromschläge die tödlichsten Gefahren darstellen. Daten des Zentrum für Forschung und Ausbildung im Bauwesen zeigen, dass das Fehlen grundlegender Kenntnisse im Bereich der elektrischen Sicherheit beim Umgang mit Geräten und Maschinen eine der Hauptursachen für Unfälle darstellt. Als Präventivmaßnahme gegen Stromschläge und andere elektrische Gefahren sollten Sicherheitsbeauftragte im Baugewerbe häufig elektrische Inspektionen und Wartungskontrollen durchführen. Dies trägt ebenso zur Einhaltung von OSHA-Normen zum Umgang mit Elektrizität auf Baustellen bei.

9. Asbest

Nach Angaben der HSE ist Asbest jedes Jahr für mehr als 5.000 Todesfälle am Arbeitsplatz verantwortlich, wobei 2446 Menschen im Vereinigten Königreich im Jahr 2018 an einem Mesotheliom (einer Krebsart) verstarben, die auf eine frühere Asbestexposition zurückzuführen ist. Aufgrund der hohen Sterblichkeitsrate bei durch Asbest verursachten Krankheiten, hat die HSE verordnet, dass vor dem Beginn von Arbeiten mit Asbest eine Risikobewertung durchgeführt werden muss. Sicherheitsverantwortliche im Baugewerbe sollten bedenken, dass die Nichteinhaltung der entsprechenden Kontrollen dazu führen kann, dass das Unternehmen bei der HSE und / oder der zuständigen regionalen Behörde gemeldet wird, was eine kostspielige Strafe nach sich ziehen kann.

Checkliste für Inspektionen zum richtigen Umgang mit Asbest

Diese Vorlage basiert auf der HSE-Checkliste für den Umgang mit Asbest und dient dazu ihre Fortschritte beim Asbestmanagement zu verfolgen. Die Verwendung von ihr gewährleistet, dass das Vorhandensein von Asbest ordnungsgemäß ermittelt wird, um in weiterer Folge die Sicherheitsvorkehrungen und Arbeitsweisen entsprechend anzupassen.

10. Staub

Siliziumdioxidstaub entsteht beim Schneiden, Bohren, Schleifen und Polieren gängiger Baumaterialien wie Ziegel, Fliesen, Beton und Mörtel. Schwere und längere Exposition gegenüber Silikastaub kann Lungenkrebs, Silikose und die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) verursachen. Die HSE schätzt, dass jedes Jahr etwa 4.000 Todesfälle im vereinigten Königreich auf COPD zurückzuführen sind. Da Bauarbeiter hierbei eine besonders gefährdete Gruppe darstellen, sollten auf Baustellen regelmäßig  Risikobewertungen zur Kontrolle der Siliziumdioxidstaubemissionen sowie zur Einhaltung der Control of Substances Hazardous to Health (COSHH) Regulations von 2002 durchgeführt werden.

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