Vorbeugung von Ausrutschern, Stolpern und Stürzen am Arbeitsplatz
SRS-Unfälle (Stolpern, Rutschen und Stürzen) zählen zu den häufigsten und zugleich vermeidbaren Gefahrenquellen in vielen Arbeitsumgebungen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Ausrutschen am Arbeitsplatz vermeiden können, welche Ursachen zugrunde liegen, welche Vorschriften gelten und welche präventiven Maßnahmen sinnvoll sind.

Veröffentlicht 24 Nov 2025
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Was sind Ausrutscher, Stolperer und Stürze?
SRS-Unfälle – also Ausrutschen, Stolpern und Stürzen – gehören zu den häufigsten Gefahren am Arbeitsplatz. Sie setzen viele Beschäftigte dem Risiko von Verletzungen durch Sturz aus, darunter Verstauchungen, Zerrungen, Schnittwunden, Prellungen, Knochenbrüche und weitere Verletzungsarten. Im schlimmsten Fall können sie tödlich enden – insbesondere in risikoreichen Berufen wie dem Baugewerbe.
Mit gezielter Schulung und der Umsetzung bewährter Sicherheitspraktiken können Unternehmen ihre Mitarbeitenden jedoch wirksam vor diesen Gefahren schützen.
Ein Ausrutschen liegt vor, wenn zwischen dem Schuhwerk und der Lauffläche kaum oder gar keine Bodenhaftung besteht, sodass eine Person das Gleichgewicht verliert. Im Gegensatz dazu stolpert man, wenn man mit dem Fuß an einem Gegenstand hängen bleibt oder auf eine tiefere bzw. unebene Fläche tritt. Beide Situationen können zu einem Kontrollverlust über das Gleichgewicht führen.
Stürze – die häufigste Todesursache bei Bauarbeitern – treten häufig dann auf, wenn jemand stolpert und das Gleichgewicht nicht mehr wiedererlangt. Besonders kritisch sind dabei Tätigkeiten in großer Höhe.
Ausrutschen, Stolpern und Stürze in Zahlen
Das US Bureau of Labor Statistics (BLS) berichtet über alarmierende Raten von SRS-Unfällen im Jahr 2022. Die jüngsten Daten zeigen, dass Ausrutschen, Stolpern und Stürze zu den häufigsten Ursachen für tödliche und nicht-tödliche Verletzungen am Arbeitsplatz gehören:
Tödliche Verletzungen – Die Zahl der arbeitsbedingten Todesfälle durch Ausrutschen, Stolpern und Stürze ist im Jahr 2022 um 1,8 % gestiegen (das entspricht 865 Fällen).
Nicht-tödliche Verletzungen – Ausrutschen, Stolpern und Stürze belegten im Jahr 2022 den dritten Platz unter den vom Arbeitgeber gemeldeten Verletzungen am Arbeitsplatz, die zu Arbeitsausfällen führten.
Häufige Ursachen und Risikofaktoren
Ausrutschen, Stolpern und Stürze können aus vielen Gründen passieren – von unebenen Arbeitsflächen bis hin zu unsicheren Leiterpositionen. Die Kenntnis der Ursachen für Stürze am Arbeitsplatz hilft Führungskräften, Stolperfallen am Arbeitsplatz frühzeitig zu erkennen, Risikofaktoren besser einzuschätzen und gezielte Präventionsmaßnahmen zu entwickeln.
Hier finden Sie typische Ursachen und Risikofaktoren für SRS-Unfälle:
Ausrutscher
Nasse Verschüttungen (z. B. Wasser, Schlamm, Fett, Öl, Lebensmittel, Blut usw.)
Verschüttete trockene Produkte (z.B. Pulver, Staub, Holzspäne, Granulat, Plastikverpackungen)
Wettergefahren (z.B. Eis, Schnee)
Böden aus Beton, Keramikfliesen oder Marmor
Schräge oder unebene Laufflächen
Nasse, schlammige, fettige Schuhe
Rampen oder Bretter ohne rutschfeste Oberflächen
Klettern auf Leitern
Stolpern
Unordnung auf dem Boden
Eingeschränkte Sicht
Schlechte Beleuchtung
Freigelegte Kabel, Drähte, Schläuche und Verlängerungsschnüre
Öffnen Sie Schubladen, Schränke, Türen, usw.
Unebene Gehwege
Unmarkierte Stufen oder Rampen
Fehlende Bodenfliesen und Ziegelsteine
Fälle
Schwache oder beschädigte Leitern
Simse ohne angemessenes Geländer
Tragen von schweren Gegenständen
Nichtverwendung von Geländern auf Gerüsten
Ungeschützte Kanten
Unsicher aufgestellte Leitern
Falsch eingesetzte Absturzsicherung und Höhenzugangstechnik
Gefahren durch Ausrutschen, Stolpern und Stürze
Damit Sie sich ein umfassendes Bild machen können, finden Sie hier eine Übersicht über die häufigsten Verletzungen durch Stürze, wie sie typischerweise im Rahmen von SRS-Unfällen (Stolpern, Rutschen, Stürzen) auftreten:
Verstauchungen und Zerrungen: Wenn eine Person ausrutscht oder stolpert und versucht, sich abzufangen oder das Gleichgewicht wiederzuerlangen, kann sie Muskeln oder Bänder überdehnen oder verdrehen, was zu typischen Weichteilverletzungen führt.
Frakturen und Knochenbrüche: Ein Sturz aus größerer Höhe oder auf eine harte Oberfläche kann zu Brüchen an Handgelenken, Hüften oder Knöcheln führen.
Prellungen und Blutergüsse: Der Aufprall auf den Boden oder auf Gegenstände kann Blutgefäße unter der Haut beschädigen und sichtbare Blutergüsse hinterlassen.
Kopfverletzungen : Bei Stürzen, bei denen der Kopf eine harte Fläche trifft, kann es zu traumatischen Hirnverletzungen (TBI) kommen – von leichten Gehirnerschütterungen bis hin zu schweren Schädel-Hirn-Traumata.
Schnitt- und Risswunden: Der Kontakt mit scharfen oder rauen Gegenständen während eines Sturzes kann zu oberflächlichen oder tiefen Hautverletzungen führen.
Rücken- und Rückenmarkverletzungen (SCI) : Stürze, bei denen betroffene Personen auf dem Rücken landen oder stark auftreffen, können zu Wirbelsäulenschäden führen – etwa Bandscheibenvorfällen, Wirbelfrakturen oder Rückenmarkkompressionen.
Nackenverletzungen : Diese können isoliert oder als Folge von Wirbelsäulenverletzungen auftreten. Häufig betroffen sind Muskeln, Bänder oder Sehnen im Halsbereich.
OSHA-Vorschriften
Die Occupational Safety and Health Standards 1910 Subpart D (Walking-Working Surfaces) definieren allgemeine Anforderungen für begehbare Arbeitsflächen in Unternehmen, u. a. für Gänge,Lagerräume, technische Betriebsbereiche und Arbeitsplätze.
In den Vorschriften nach §1910.22 werden mehrere Anforderungen an sichere Arbeitsbereiche definiert. Dazu gehören unter anderem:
Halten Sie die Böden im Arbeitsraum sauber, ordentlich und trocken.
Sorgen Sie für ein sicheres Betreten und Verlassen der Gehflächen.
Inspizieren Sie die Arbeitsfläche, um sie in gutem Zustand zu halten.
Reparieren Sie gefährliche Böden so schnell wie möglich.
Verbessern Sie Ihr EHS-Management
Schaffen Sie ein sicheres Arbeitsumfeld und vereinfachen Sie die Einhaltung von Vorschriften mit unseren EHS-Lösungen.
7 Tipps zur Sturzprävention am Arbeitsplatz
Glücklicherweise sind die meisten Ausrutsch-, Stolper- und Sturzunfälle vermeidbar. Durch den Einsatz geeigneter Sicherheitswerkzeuge und die gezielte Ausbildung von Mitarbeitenden können Unternehmen solche Vorfälle wirksam verhindern. Hier sind einige bewährte Maßnahmen, um Ausrutschen, Stolpern und Stürzen am Arbeitsplatz vorzubeugen:

Wie Sie Ausrutschen, Stolpern und Stürzen am Arbeitsplatz vorbeugen können
Die wirksame Sturzprävention beginnt mit einfachen, aber entscheidenden Maßnahmen. Die folgenden Punkte sollten Bestandteil jeder Checkliste zur Vermeidung von Ausrutschen, Stolpern und Stürzen sein: Gute Haushaltsführung - Ein rutschfester Arbeitsplatz beginnt mit Ordnung und Sauberkeit . Die Beseitigung von Unordnung reduziert potenzielle Stolperfallen und sorgt für begehbare und sichere Bodenflächen .
Angemessene Beleuchtung in Gehbereichen - Mitarbeitende können sich sicherer bewegen, wenn alle Bereiche ausreichend beleuchtet sind. Beleuchten Sie insbesondere Zugangs- und Ausgangspunkte wie Flure, Rampen, Treppen und Notausgänge – ein wichtiger Aspekt der Sicherheit bei Rutschgefahr.
Aufstellen von Sicherheitsschildern - Klare Kennzeichnungen warnen vor Gefahrenzonen und helfen, Unfälle zu vermeiden. Auf Baustellen kommen oft Warnlinien, Kontrollzonen und eindeutig ausgewiesene begehbare oder gesperrte Bereiche zum Einsatz.
Sofortige Reinigung von verschütteten Flüssigkeiten - Eine ordnungsgemäße Reinigung sorgt dafür, dass der Boden frei von gefährlichen Rückständen bleibt – eine der einfachsten Maßnahmen, um Ausrutschen am Arbeitsplatz zu vermeiden. Zur zusätzlichen Vorsorge können auch Entwässerungssysteme
wie Sumpfpumpen eingesetzt werden.
Sicherstellen, dass das richtige Schuhwerk getragen wird - Rutschfeste Sicherheitsschuhe mit guter Bodenhaftung schützen nicht nur vor Rutschgefahr, sondern auch vor statischer Elektrizität, herabfallenden Gegenständen, Chemikalien und anderen arbeitsplatzspezifischen Risiken.
Erhaltung und Verbesserung der Bodenqualität - Die Anpassung und Wartung der Bodenflächen trägt wesentlich zur Sturzprävention bei der Arbeit bei. Dazu gehören regelmäßige Inspektionen , der Austausch beschädigter Bodenbeläge und die Investition in rutschfeste Materialien.
Umsetzung von Sicherheitsplänen und -protokollen - Ein strukturierter Sicherheitsplan unterstützt alle Präventionsmaßnahmen. Er sollte unter anderem Risikobewertungen, definierte Sicherheitsstandards, Mitarbeiterschulungen, regelmäßige Überprüfungen, Ausrüstungsrichtlinien und regelmäßige „ Toolbox Talks “ beinhalten.
Erstellen Sie Ihren eigenen Sicherheitsmanagementplan
Wählen Sie aus unserer Sammlung kostenloser, herunterladbarer und anpassbarer Vorlagen oder erstellen Sie Ihre eigene.
Die OSHA bietet Richtlinien für sichere Arbeitsflächen, die Unternehmen in ihren Sicherheitsplan integrieren können(in dieser Tabelle finden Sie die Abstandsanforderungen für den Fallschutz). Diese Empfehlungen sind besonders relevant für die Sturzprävention bei der Arbeit und zielen darauf ab, SRS-Unfälle wie Ausrutschen, Stolpern und Stürze effektiv zu vermeiden. Außerdem enthält die OSHA Spezifikationen für Sicherheitsausrüstung wie Gurte, Leinen, Sicherheitsnetze, Treppengeländer, Handläufe und persönliche Schutzausrüstung (PSA), die den Schutz der Beschäftigten zusätzlich gewährleisten.
Sorgen Sie für die Sicherheit Ihres Arbeitsplatzes mit SafetyCulture
Was spricht für die Nutzung von SafetyCulture?
Der Einsatz leistungsfähiger Lösungen unterstützt Unternehmen dabei, ihre gesamten Sicherheitsmanagementprozesse zu optimieren und sicherzustellen, dass am Arbeitsplatz alles regelkonform abläuft – insbesondere im Bereich der Sturzprävention bei der Arbeit.
Eine Plattform für Arbeitsabläufe wie SafetyCulture (ehemals iAuditor) ist eine digitale Komplettlösung, mit der Sie Maßnahmen zur Absturzsicherung strukturieren und vereinfachen können. Sie bietet Tools zur Verwaltung von Inspektionen im Bereich Absturzsicherung, zur Durchführung von OSHA-konformen Sicherheits- und Bau-Toolbox-Talks sowie Vorlagen für andere relevante Sicherheitsgespräche. Mit SafetyCulture können Sie unter anderem:
Eine effiziente Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz durchführen, indem Sie eine passende
Die Umsetzung von Absturzsicherungsmaßnahmen sicherstellen – mit
über mobile Geräte
Probleme an Geräten oder Arbeitsflächen dokumentieren und mit Anmerkungen sowie Fotos direkt den Berichten beifügen
Sturzgefahren proaktiv identifizieren und verwalten, indem Sie sie als Probleme oder Aufgaben in Echtzeit erfassen
Ergebnisse und sicherheitsrelevante Informationen als PDF-, Word- oder Weblink-Berichte individuell an Stakeholder und Mitarbeitende weitergeben
Verbessern Sie die Sicherheitspraktiken, indem Sie die historische Leistung des Unternehmens vergleichen und wiederkehrende Sicherheitsprobleme mithilfe des Analyse-Dashboards angehen.
Um Ihnen den Einstieg zu erleichtern, finden Sie hier vorgefertigte Checklisten und Vorlagen, die Sie für Ihr Sicherheitsmanagement im Zusammenhang mit SRS-Unfällen – also Ausrutschen, Stolpern und Stürzen – verwenden können:
Häufig gestellte Fragen zu Ausrutschern, Stolpern und Stürzen
In diesem Artikel
- Was sind Ausrutscher, Stolperer und Stürze?
- Ausrutschen, Stolpern und Stürze in Zahlen
- Häufige Ursachen und Risikofaktoren
- Gefahren durch Ausrutschen, Stolpern und Stürze
- OSHA-Vorschriften
- 7 Tipps zur Sturzprävention am Arbeitsplatz
- Sorgen Sie für die Sicherheit Ihres Arbeitsplatzes mit SafetyCulture
- Häufig gestellte Fragen zu Ausrutschern, Stolpern und Stürzen
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